Was sollte ich beim Bürostuhl-Kauf beachten….

Dass langes Sitzen schnell zu gesundheitlichen Problemen führen kann, dürfte längst klar sein. Eine einfache und kostengünstige Lösung wäre: einfach öfter mal aufzustehen. Wer häufiger bei der Arbeit steht, trainiert die Rumpfmuskulatur, vor allem Bauch und Rücken. Wir wissen mittlerweile auch, dass ständiges Sitzen am Schreibtisch zu einer der ungesündesten Arbeitstätigkeiten gehört.

 

Zwei Drittel der Krankheitsursachen von Büromitarbeitern sind auf Rückenerkrankungen zurückzuführen. Werden die Kosten für die Ausfälle mal dargelegt, wird deutlich, dass dafür sicher auch ein guter ergonomischer Bürostuhl finanziert werden kann. Aber was heißt: „guter ergonomischer Bürostuhl“? Prospekte oder Discounter-Angebote suggerieren uns „ergonomische Stühle“ zu Schnäppchenpreisen. Aber was bedeutet „Ergonomie“? Das Wort „Ergonomie“ ist nicht geschützt. Sie strebt neben der menschengerechten Arbeitsraumgestaltung vor allem eine Optimierung Mensch/Maschine oder in diesem Fall: Mensch/Stuhl an.

 

Was sollte beim Kauf beachtet werden? Wichtig ist, dass den Mitarbeiter, für den der Stuhl angeschafft werden soll, in den Kauf bzw. die Auswahl einzubeziehen. Der Bürostuhl sollte dazu vor dem eigentlichen Kauf getestet werden. Meist bieten die Händler die probeweise Lieferung an, so dass man den Bürostuhl direkt vor Ort für einige Zeit nutzen kann.

 

Optimal wäre ein mindestens einwöchiges Probesitzen. Dadurch gelingt es, sich an den Stuhl zu gewöhnen. Durch einen solchen Test wird es möglich, dass die einzelnen Mitarbeiter sich ihre eigene Meinung zu einem Bürostuhl bilden können. Denn auch wenn die Arbeitsstühle, Stehhilfe oder Laborstühle ergonomisch geformt sind, heißt das noch lange nicht, dass alle Mitarbeiter sich darauf gleichermaßen wohlfühlen. „Passt“ der Stuhl nicht, kann es schnell zu Rückenschmerzen, Nackenverspannungen oder auch Verhärtungen im Schulterbereich kommen.

 

Der Stuhl sollte sich an den Bewegungen des Rückens orientieren und sich diesem anpassen. Natürlich sollte auch das dynamische Sitzen nicht vernachlässigt werden. Es sollte ein Wechsel zwischen statischem, aufrechtem und geradem Sitzen, sowie dem Herumlümmeln ermöglicht werden, denn dies führt langfristig zu einer Entlastung der Wirbelsäule und der Bandscheiben. Das Becken wird ebenfalls durch die Rückenlehne gestützt, dieser Halt wird durch die sogenannte „Beckenkammstütze“, eine feste, seitliche Wölbung am Stuhl, erreicht, die bei Erwachsenen 18-24 cm über dem Sitz angeordnet sein sollte. Durch diese wird die Lendenwirbelsäule gehalten, ohne sie übermäßig einzuengen. In der Rückenlehne sollte auch eine individuell anpassbare Lordosestütze oder auch Lendenbausch vorhanden sein. Die Anpassung kann sowohl über die Höhenverstellung der Rückenlehne, als auch über eine in der Lehne integrierte Verstellung erreicht werden. Weiterhin sollte heute der Stuhl auch mit einer beweglichen Sitzfläche und Rückenfläche ausgestattet sein, damit der Sitzende immer und immer wieder bewegt wird.

 

 Achten Sie auch darauf, dass der Stuhl eine sogenannte Sitztiefenfederung hat, diese muss das Körpergewicht beim Hinsetzen abfangen können, auch wenn man sich mal in den Stuhl fallen lässt. Eine leicht handbare Höhenverstellbarkeit sollte ebenfalls gegeben sein. Beim Sitzen sollten die Beine etwa 90 Grad angewinkelt sein und die Fußsohlen den Fußboden vollständig berühren. Die Oberschenkel liegen dabei waagerecht oder fallen leicht nach vorn ab. Aber auch in dieser Position sollte der Stuhl noch Spiel nach oben und unten haben. Die Rückenlehne sollte sich den Bewegungen des Nutzers ebenso anpassen, wie die Armlehnen. So kann ein entspanntes und erholsames Sitzen gewährleistet werden.

 

Armlehnen haben die Funktion, die Arme bei der Arbeit am Schreibtisch zu stützen, sie erleichtern das Aufstehen und dienen zum entspannten Ablegen der Arme in den Arbeitspausen. Ob diese benötigt werden, sollte jeder Mitarbeiter selbst entscheiden können, oft werden sie als störend empfunden. Wenn sie vorhanden sind, sollten sie so eingestellt werden können, dass die Arme im rechten Winkel aufliegen. Auf keinen Fall dürfen die Schultern nach oben gezogen werden, dies würde zu Verspannungen führen.

 

Auch bei den Rollen sollte auf Qualität geachtet werden, denn diese werden stark beansprucht. Für weiche Böden (Teppich) werden harte Rollen empfohlen und für harte Böden (Fliesen, Laminat, Parkett) weiche Rollen. Die Rollen müssen allerdings gewichtsabhängig gebremst sein. Sonst besteht die Gefahr, dass der Stuhl schon wegrollt, bevor Sie sich darauf setzen. Und zu guter letzt: heute bietet der Markt ständig neue Alternativen zum klassischen Bürostuhl: Hocker, Sitzbälle oder Stehhilfen. Die Meinungen gehen dazu auseinander. Sie bieten sicher eine Abwechslung zum Bürostuhl, sind aber als Dauer-Sitzplatz nur bedingt geeignet.

 

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